Am Rand der wilden Landschaft der Camargue liegt eine der eindrucksvollsten mittelalterlichen Städte Südfrankreichs: Aigues-Mortes. Umgeben von Salzseen, Flamingos und weiten Sumpfgebieten erhebt sich hier eine perfekt erhaltene Festungsstadt, die eng mit den Kreuzzügen und der Geschichte des französischen Königtums verbunden ist.

Gleichzeitig ist Aigues-Mortes heute weltbekannt für sein Salz – insbesondere das edle Fleur de Sel, das direkt westlich der Stadt in den Salinen der Camargue gewonnen wird.

Eine Stadt von König Ludwig dem Heiligen

Die Gründung von Aigues-Mortes geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Initiator war König Ludwig IX. von Frankreich, auch bekannt als „Ludwig der Heilige“.

Er ließ die Stadt als strategischen Zugang zum Mittelmeer errichten, da Frankreich damals nur sehr begrenzten direkten Zugang zur Küste besaß. Aigues-Mortes sollte als königlicher Hafen dienen und war Ausgangspunkt für den 7. und 8. Kreuzzug ins Heilige Land.

Der Name „Aigues-Mortes“ bedeutet „Totes Wasser“ und verweist auf die sumpfige, salzhaltige Umgebung, die sich im Laufe der Zeit durch geologische Veränderungen weiter vom Meer entfernt hat. Die Stadt, die einst direkt am Mittelmeer lag, befindet sich heute mehrere Kilometer landeinwärts.

Aigues-Mortes Camargue Stadtmauer

Die vollständig erhaltene Festungsstadt

Aigues-Mortes ist eines der am besten erhaltenen Beispiele mittelalterlicher Stadtbefestigung in Europa. Die massive Stadtmauer mit ihren Türmen und Toren umschließt noch heute die gesamte Altstadt.

Die wichtigsten Elemente sind:

  • die vollständig erhaltene Stadtmauer
  • mehrere imposante Stadttore
  • die rechteckige Stadtstruktur mit klaren Straßenachsen

Von den Mauern aus hat man einen beeindruckenden Blick über die Salinen der Camargue und die flache Landschaft bis zum Horizont.

Tour de Constance – Symbol der Macht und Geschichte

Ein besonders markantes Bauwerk ist der Tour de Constance. Der massive Rundturm wurde im 13. Jahrhundert unter Ludwig IX. errichtet und diente sowohl als Wachturm als auch später als Gefängnis.

Der Turm spielte eine wichtige Rolle in der französischen Geschichte, insbesondere während der Religionskonflikte zwischen Katholiken und Protestanten im 17. und 18. Jahrhundert. Viele Hugenotten wurden hier inhaftiert.

Heute kann der Turm besichtigt werden und bietet einen großartigen Blick über die Stadt und die Salinenlandschaft.

Tour de Constance in Aigues-Mortes Camargue
Aigues-Mortes – Tour de Constance

Die Altstadt – mittelalterlich und touristisch zugleich

Die Altstadt von Aigues-Mortes ist vollständig von der Stadtmauer umgeben und wirkt auf den ersten Blick wie ein historisches Juwel. Tatsächlich ist sie jedoch stark touristisch geprägt.

Die engen Straßen rund um die Hauptachse Richtung Place Saint-Louis sind voller Souvenirläden, Cafés und Restaurants. Besonders in der Hauptsaison wird es hier schnell sehr voll.

Im Zentrum steht die Statue von König Ludwig IX., die den Gründungscharakter der Stadt unterstreicht. Rund um den Platz laden zahlreiche Restaurants zum Verweilen ein – oft allerdings mit eher touristischer Ausrichtung.

Aigues Mortes Place Saint-Louis Camargue
Place Saint-Louis in Aigues-Mortes

Kirche und historische Bauwerke

Nur wenige Schritte vom Hauptplatz entfernt befindet sich eine schlichte, aber schöne mittelalterliche Kirche: Église Notre-Dame-des-Sablons.

Sie stammt ebenfalls aus der Zeit Ludwigs IX. und ist eines der wenigen Bauwerke, das noch den ursprünglichen spirituellen Charakter der Stadt vermittelt. Im Inneren herrscht eine ruhige, fast kühle Atmosphäre im Kontrast zum geschäftigen Treiben draußen.

Fleur de sel camargue in Aigues-Mortes
Aigues Mortes – Blick auf die Salzsalinen (Fleur de Sel)

Die Salinen der Camargue – das weiße Gold

Direkt westlich der Stadt beginnen die berühmten Salinen der Camargue, ein riesiges Gebiet aus flachen Wasserbecken, in denen durch Verdunstung Salz gewonnen wird.

Hier entsteht das berühmte Fleur de Sel, das als besonders feines und hochwertiges Salz gilt. Die Salinen prägen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Landschaft der Region.

Je nach Sonnenstand färben sich die Salzbecken rosa, weiß oder türkis – ein beeindruckendes Naturschauspiel.

Persönlicher Eindruck

Trotz der beeindruckenden Geschichte wirkt Aigues-Mortes heute sehr touristisch. Die Stadtmauern und der Tour de Constance sind zweifellos sehenswert, doch die Altstadt selbst ist stark auf Besucher ausgelegt.

Am meisten beeindrucken:

  • die vollständig erhaltene Stadtmauer
  • der Blick über die Salinenlandschaft
  • die Verbindung zur Kreuzzugsgeschichte

Weniger überzeugend wirkt hingegen der stark kommerzialisierte Stadtkern.

Tipp:

 Für Kinder gibt es in der Nähe eine großes Aquarium mit Meeressäugertieren (Seaquarium). Avenue du Palais de la Mer Rive gauche, Richtung Port Camargue, 30240 Le Grau du Roi

Infos:

  • Office de Tourisme: Place Saint-Louis
  • Öffnungszeiten Office de Tourisme: 9h-17h00
  • Lage von Aigues Mortes: westliche Camargue
  • Parktplätze: Boulevard Diderot
  • Wochenmarkt: Avenue F. Mistral, Mittwoch- und Sontagmorgen
  • Webseite: Aigues-Mortes Ville

Stand: September 2015

Restaurants:

Preisniveau: € bis €€ (Günstig) | €€€ (Mittel) | €€€€ (Gehoben)

  • Au Louis IX, Place de la Viguerie (€€€, Kindermenü ab 12,- EUR)
  • Restaurant Des Voyageurs, 8 Place Saint-Louis (€€€, schönes Ambiente) =>Tipp<=
  • Le Minos, 7 Place Saint-Louis (€€€, mit Terrasse)
  • Le Galion, 24 Rue Pasteur (€€€, Spezialitäten vom heißen Stein)
  • Le Café de Bouzigues, 7 Rue Pasteur  (€€€, schöner Innenhof)

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