Das Pont du Gard gehört zu den beeindruckendsten Bauwerken der römischen Antike und ist eines der besterhaltenen Aquädukte der Welt. Er liegt nahe der Ortschaft Remoulins im Département Gard, nur wenige Kilometer von der historischen Römerstadt Nîmes entfernt.
Auch wenn die Region geografisch heute zur Okzitanien gehört, wird sie kulturell und historisch oft der Provence zugerechnet – nicht zuletzt wegen ihrer engen Verbindung zur römischen Geschichte Südfrankreichs.
Ein Bauwerk aus der Zeit des römischen Imperiums
Der Pont du Gard wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. unter der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus errichtet. Er war Teil eines rund 50 Kilometer langen Aquäduktsystems, das Wasser von der Quelle bei Uzès in die römische Kolonie Nemausus (heute Nîmes) leitete.

Mit dem rasanten Wachstum der Stadt stieg auch der Wasserbedarf stark an. Öffentliche Brunnen, Bäder und Haushalte mussten zuverlässig versorgt werden – eine enorme technische Herausforderung, die die Römer mit beeindruckender Präzision lösten.
Der Pont du Gard ist dabei das spektakulärste Teilstück dieser Wasserleitung.
Architektur und Bauweise
Das Aquädukt ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Es besteht aus drei übereinanderliegenden Bogenreihen und erreicht eine Höhe von etwa 49 Metern bei einer Länge von rund 275 Metern.

Die Konstruktion wurde komplett ohne Mörtel errichtet – die gewaltigen Kalksteinblöcke halten allein durch ihr exaktes Zusammenspiel. Diese Bauweise sorgt dafür, dass das Bauwerk bis heute nahezu unbeschädigt erhalten ist.
Besonders bemerkenswert ist das geringe Gefälle des Wasserkanals: Auf die gesamte Länge des Aquädukts fällt das Wasser nur wenige Zentimeter pro Kilometer – ein Beweis für die außergewöhnliche Präzision römischer Vermessungstechniken.
Vom Aquädukt zur historischen Brücke
Im Mittelalter verlor der Pont du Gard seine ursprüngliche Funktion als Wasserleitung. Teile des Bauwerks wurden später sogar als Brücke für den lokalen Verkehr genutzt.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Monument immer wieder beschädigt, aber auch restauriert. Besonders umfangreiche Maßnahmen fanden zwischen 1996 und 2000 statt. Dabei wurde das gesamte Areal neu gestaltet, Besucherzentren gebaut und das historische Hotel Hôtel du Pont du Gard restauriert.
Auch eine moderne Fußgängerbrücke wurde ergänzt, um den Besucherstrom zu lenken und gleichzeitig das antike Bauwerk zu schützen.
UNESCO-Weltkulturerbe und „Grand Site de France“
Aufgrund seiner außergewöhnlichen Erhaltung und historischen Bedeutung wurde der Pont du Gard 1985 in die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Zusätzlich trägt er das Label Grand Site de France, das besonders geschützten Natur- und Kulturdenkmälern verliehen wird.
Diese Auszeichnungen unterstreichen die weltweite Bedeutung des Bauwerks als eines der bedeutendsten Zeugnisse römischer Ingenieurskunst.

Museum und Besucherzentrum
Am Standort befindet sich ein modernes Museum, das im Eintritt enthalten ist. Es vermittelt anschaulich die Geschichte des Pont du Gard und erklärt die Funktionsweise römischer Aquädukte.
Besucher erfahren hier unter anderem:
- wie römische Wasserleitungen geplant wurden
- welche Vermessungstechniken verwendet wurden
- wie der Bau logistich umgesetzt wurde
- welche weiteren Aquädukte es im Römischen Reich gab
Modelle, Filme und interaktive Ausstellungen machen die komplexe Technik der Antike verständlich.
Die Bedeutung für die Stadt Nîmes
Das Aquädukt wurde gebaut, um die römische Stadt Nîmes mit Wasser zu versorgen. Diese entwickelte sich im 1. Jahrhundert n. Chr. zu einer wichtigen Kolonie des Römischen Reiches.
Noch heute sind in Nîmes zahlreiche römische Bauwerke erhalten, darunter Arenen, Tempel und Stadttore. Der Pont du Gard ist dabei eines der wichtigsten Zeugnisse dieser Epoche und zeigt eindrucksvoll, wie weitreichend die Infrastruktur des Römischen Reiches war.
Ein Ort, den man gesehen haben muss
Der Pont du Gard ist nicht nur ein historisches Monument, sondern auch ein beeindruckendes Naturerlebnis. Der Fluss Gardon schlängelt sich durch eine wilde Landschaft aus Felsen, Wäldern und Flussauen – ein perfekter Kontrast zur strengen Geometrie der römischen Bögen.
Besonders lohnend ist ein Besuch in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag, wenn das Licht die goldenen Steine des Aquädukts besonders stark hervorhebt.
Tipp:
Man sollte unbedingt den Pfad hinauf zum Aquadäkt nehmen, da man von hier aus einen fantastischen Ausblick auf das Pont du Gard und die Umgebung hat. Zudem ist es auch möglich in die Wasserröhre hineinzugehen. Jedoch im Hochsommer oftmals mit langen Wartezeiten verbunden.

Infos:
- Eintritt mit Auto: 18,- € (für 5 Personen inkl. Parkplatz)
- Eintritt mit Motorrad: 12,- €
- Eintritt zu Fuß/Fahrrad: 10,- € oder 15,- € (bis zu 5 Personen)
- Öffnungszeiten: Juni und September: 09:00 bis 19:00 Uhr | Juli und August: 09:00 bis 20:00 Uhr | März bis Mai und Oktober: 09:00 bis 18:00 Uhr | November bis Februar: 09:00 bis 17:00 Uhr
- Lage: westlich von Remoulins der Avenue du Pont du Gard folgen. Remoulins liegt westlich von Avignon bzw. nord-östlich von Nimes
- Webseite: Pont du Gard-Seite
Stand: September 2014
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